Was Hundetraining mit Mut, Sicherheit und Mindset zu tun hat.
Ich habe vor einiger Zeit einen Satz gehört, der mich nicht mehr losgelassen hat. Eine Person, die mit Ängsten und Depressionen lebt, sagte mir, dass Sie in Momenten des absoluten Unbehagens einen Moment innehält und folgendes zu sich selbst sagt.
„Ich habe Angst davor. Ich mache es trotzdem.“
Dieser Spruch ist ihr persönliches Mantra. Ihre neu erlernte Einstellung zum Leben. Die Idee ist, die Angst auftauchen zu lassen und nicht zu bekämpfen und trotz dieses unangenehmen Gefühls genau das zu tun, was dieses unangenehme Gefühl hervorruft.
Dieser Satz hat mich direkt an das Leben mit einem herausfordernden Hund erinnert.
Vorallem an die Menschen, die mit Hunden leben, die in unserer Gesellschaft als „schwierig“ gelten: reaktive Hunde, Hunde mit Aggressionsverhalten, mit Unsicherheiten oder sogar starken Ängsten.
Menschen mit solchen Hunden leiden oft still. Sie hinterfragen sich permanent:
Sehr häufig passiert dann etwas ganz Menschliches:
Das eigene Leben wird so strukturiert, dass möglichst keine Triggersituationen mehr entstehen. Spaziergänge finden spät abends statt, Orte mit anderen Hunden werden gemieden, Begegnungen umgangen. Nicht aus Bequemlichkeit – sondern aus Scham, Angst und Überforderung.
Ich möchte dir an dieser Stelle ganz klar sagen:
Es ist absolut legitim, sich erst einmal Sicherheit zu verschaffen. Das ist kein Zeichen von Schwäche oder Vermeidung, sondern von Selbstfürsorge. Leine, Schleppleine, Maulkorb, größere Distanz – All das sind keine Zeichen von Scheitern, sondern von Verantwortungsbewusstsein.
Auch bei meinem eigenen Hund treffe ich vor jedem Spaziergang bewusst Entscheidungen: „Was brauche ich heute, um mich sicher zu fühlen?“ An manchen Tagen ist Freilauf möglich. An anderen Tagen trägt mein Hund eine Schleppleine – nicht weil sie zwingend notwendig ist für meinen Hund, sondern weil ich diese Schleppleine brauche, um mich handlungsfähig zu fühlen.
Am Ende des Tages wird mir mein Tag nur dann vertrauen, wenn ich mir selbst vertraue. Wenn ich selbst davon überzeugt bin, dass ich alles schaffen kann, was ich mir vornehme. Wenn ich mein eigenes Wort ernst nehme. Denn Führung entsteht dort, wo ich mich sicher fühle. Deswegen ist es so so wichtig, dass du erstmal deinen Hund so absicherst, dass du dich sicher und handlungsfähig fühlst.
Gleichzeitig gibt es eine zweite Wahrheit im Hundetraining:
Wenn wir dauerhaft alles vermeiden, bleibt Entwicklung aus.
Langfristige Veränderung entsteht nicht nur in der Komfortzone. Es braucht irgendwann den Moment, in dem wir – gut vorbereitet und abgesichert – ein Stück ins „kalte Wasser“ springen. Erst dann haben wir die Möglichkeit eine wirklich wertvolle Erfahrung zu machen: Ich kann schwimmen. Ich gehe nicht unter.
Wenn ich weiß, dass nichts Schlimmes passieren kann, darf ich mich meiner Restunsicherheit stellen, damit ich die Erfahrung machen kann: Ich kann meinen Hund durch JEDE Situation sicher führen.
Hundetraining hat unglaublich viel mit Mindset zu tun. Mit Selbstwirksamkeit. Mit Ausstrahlung. Mit Selbstvertrauen. Mit der inneren Haltung, Verantwortung übernehmen zu wollen und Entscheidungen treffen zu können. Und genau deshalb ist es so wichtig, sich Hilfe zu holen, wenn Angst im Spiel ist.
Ein guter Hundetrainer:
Bitte vertraut niemals jemandem, bei dem ihr euch klein fühlt.
Sichere Situationen so gut ab, dass du dich wohlfühlen kannst. Und dann – ab und zu – sei mutig. Nicht, um etwas zu beweisen. Sondern um zu wachsen. Du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Und du darfst darauf vertrauen: Du kannst alles lernen.